2:30 min

Acht Sekunden, heißt es, habe das Cover, den Leser dazu zu bewegen, sich auf das Buchangebot einzulassen. Mein CoverDate mit Son of the Wind dauerte 2: 30 min. Es passiert eher selten, dass ich einen bestimmten Titel suche. Mir fällt öfter ein Verlag ein, bei dem Dieunddie veröffentlicht hat oder die Ausrichtung des Verlages bewegt mich dazu, nach E-Books, die für mich interessant sein könnten, zu suchen. Und dann gibt es noch kindlecoverdisasters.tumblr.com. Das ist mein Lieblingscover des Tages, ich kann lange darüber nachdenken. Was machen die beiden in dem Mischwald? Warum trägt der Mann einen Kilt, was macht der Junge für eine Sportart? Ist er Kick- oder Thaiboxer und worin besteht der Unterschied? Wenn ich mir ihre auf den Rumpf geklebten Köpfe anschaue, dann würde ich meinen, die beiden sind nicht verwandt. Aber warum schaut dieses Tier (ist das ein Frettchen?) so gefräßig? Warum Mischwald? Fragen über Fragen, und dann merkte ich, dass sie Clyde Abbot schon im Klappentext zuverlässig beantwortet. Ich werde mir mal die Leseprobe einverleiben. Fundstück von meiner Lieblingsseite kindlecoverdisasters. Son of the Wind, The River Rages, für faire 5,78 £.

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Bastets Töchter, Teil 1

Bastets Töchter, Meike Nilos, Teil 1, Qindie, 0,99 Euro

In der letzten Woche habe ich mich über das Sommerspiel von Qindie gefreut und beschlossen, ein paar Bücher aus dem Verlag zu lesen. Hier das Erste: Bastets Töchter, Teil 1, von Meike Nilos.

Inhalt: Emilie  ist des Lebens nicht mehr froh, weil ihr Mann Walter sich nur noch mit Mühen zu sexuellen Aktivitäten durchringen kann.  Sie beschließt, Abhilfe zu schaffen.

Das ist der Inhalt von Bastets Töchter, Teil 1. Wobei mir jetzt wieder auffällt, dass ich Bastets Töchter noch nicht kennengelernt habe. Egal, sie werden schon noch auftauchen und sich nackich machen, meinetwegen in Teil 2, 3 oder 4.  Ich mache es mal wie in einer gestandenen Montessori-Schule; das Positive zuerst. Die Rechtschreibung und der Satzspiegel finde ich sehr gut.  Das Titelbild  – ist Geschmackssache. Die Thematik ist in Bastets Töchter einem Erotischen Mystery Roman angemessen: Verlangen, Begehren, Sex, variantenreich, wechselnde Stellungen, da war auch was mit Kerzenwachs und Handschellen, will heißen: Wieder mal ganz lässig den BDSM-Bereich gestreift.

Womit ich meine Probleme hatte und jetzt beim Nachdenken darüber immer noch  habe, ist die Schablonenhaftigkeit der Protagonistin, Emilie. Die Handlung setzt zu Beginn der Urlaubsreise nach Oman ein, die Probleme zwischen Emilie und Walter existieren schon länger. Da (anfangs) alles aus Emilies Perspektive geschildert wird, haut sie uns ihre Klage in epischer Breite um die Ohren. Ich nehme an, dass das ein Versuch der Autorin ist, die späteren sexuellen Abenteuer von Emilie zu legitimieren (wieso eigentlich?).  Die feuchte Emilie breitet monotone Hausfrauenklagen vor märchenhaften Kulisse aus: Walter guckt sie nicht mehr an, sie fühlt sich einsam, wenn er mit ihr schläft,  er will nur noch arbeiten und ihr nicht mehr das Gefühl geben … und so weiter. Aber Emilie, das kleine Schlauerle, will im Oman-Urlaub wieder Feuer, Glut und Passion in die Beziehung bringen. Da war ich schon gespannt, wie stellt sie es denn an?

Ihre Avancen treffen erst einmal nicht auf fruchtbaren Boden, aber Emilie kann ganz gut masturbieren – das Genre muss in Gang gesetzt werden! –  und dann trifft das Ehepaar auf zwei hilfsbereite Nomaden, Emilie kann und will sich den Jungs nicht entziehen, es kommt, wie es kommen muss, Sex in einem Wadi mit Jafar, derweil Masud unter einer Palmengruppe sitzt und zuschaut. Hier iwo ist auch die Stelle, an der die Klarheit endet und ich  mit dem Text Schwierigkeiten bekam, es wurde wirr oder ich habe das  Mystery-Element nicht begriffen. Auf jeden Fall wusste ich oft nicht, wer spricht, denn Walter tauchte auf einmal als Erzähler auf. Und ganz simple Vorgänge gehen schief, sind nicht ausgeführt, wie Ort, Zeit, wem passiert es? In der Tat: Mysteriös.

Zusammenfassend: Die Stereotypie der Hauptfigur Emilie bereitete mir die größten Schwierigkeiten. Dann kloppten mich aus dem Lesen die ständigen unmotivierten Perspektivwechsel. Zeit, Ort, Traum oder Realität, das ist hier die Frage. Ja und natürlich geht 1001 Nacht als Sujet für Sex und mehr; trotzdem bewegte sich die Emilie für mich wie eine abgehalfterte Sextouristin durch das Set. Aber ich bin mir sicher, dass noch geklärt wird, wer oder was Bastets Töchter sind!

Eine total verschallerte Erotik-Challenge

…ausgerufen von Neobooks.

Screenshot 2014-07-28 08.25.45Logline: Nach dem Erfolg Shades of Grey wird allseits angenommen, dass Leser/Leserin noch lange nicht satt ist von erotisch-knisterndem-deftigem Lesestoff. Was richtig sein könnte, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, was ich im letzten Jahr in einer Buchhandlung erlebte:

Ich stand am Kassentisch,  draußen war es regnerisch, dunkel. Eine mittelalte, konservativ gekleidete Frau mit einer Sonnenbrille betrat den Laden, schlenderte scheinbar absichtslos herum und fragte dann leise den Verkäufer: „Haben Sie Fifty Shades of grey?“ Der Verkäufer schaute irritiert über seine Bücherstapel, erwiderte: „Kenne ich nicht. Wie heißt das Buch?“ Die Frau, die ihre Sonnenbrille partout nicht abnahm (beachte: Wetter, s.o) wiederholte ihr Anliegen. Der Verkäufer fand das Buch nicht, ich lachte, der Verkäufer wurde hartnäckig, ein Buch, dass er als Bibliophiler nicht kennt? Unerhört. Als er insistierte, partout den Inhalt erfahren wollte, verließ die Frau den Laden mit der Bemerkung, dass sie den Titel im Internet bestellen würde.  An dem Tag dämmerte mir, dass  der Vertriebsweg mitentscheidend für den Erfolg sein kann.

Deshalb grätscht auch Neobooks mit ihrer Erotik-Challenge ins … Gefordert wird ein erotischer Quickie! Wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist, bedenklich fand ich beim Überlesen den  Ausgangstext, von der sich die künftigen Schreiber/innen der schwülen Zunft inspirieren lassen sollen. Dieser Ausgangstext soll eigeninitiativ um 2.500 weitere Zeichen fortgesetzt werden. Die Herkunft des Textes wird nach WB-Ende verraten; ich bin gespannt. … hier der Text…. Hervorhebungen von mir…. Nun los:

„… Einen Zug gab es an jenem Abend nicht mehr. In mir stieg ein Freudenschwall hoch. Er musste sich also noch einmal neben mich legen, dieser Rohling, dessen Feindseligkeit ich auf greifbare Weise wachsen spürte. Im Hotel verlangte er ein anderes Zimmer, aber es gab keines. Ich verbarg meine Befriedigung. Kaum waren wir oben, packte er seinen Koffer, indem er seine Habseligkeiten durcheinander hineinwarf, wie im Kino; dann zog er sich aus – dass er mir den Anblick seiner Geschlechtsorgane entzog, war als Repressalie gedacht. Im Bett überwältigte mich wieder sein penetranter Duft nach warmem Korn, aber er drehte mir den Rücken zu, jenen weißen Rücken der Seeleute, die niemals Zeit noch Lust haben, sich der Sonne auszusetzen. Sein braungebrannter Nacken wirkte wie aufgesetzt, ich dachte an die Kartenspiele, wo man den Kopf und den Rumpf der Figuren austauschen kann. Einen Augenblick irrten meine Lippen über diese Grenzlinie und über die Haarkringel seines kindlichen Nackens, aber er rührte sich nicht. Die Macht seiner Verweigerung war wie ein eisiger Hauch, der mich so sehr lähmte, dass ich schlaflos auf dem Rücken liegenblieb, so nahe an seinem Körper, wie es ging, ohne ihn zu berühren. Mitten in der Nacht spürte ich, dass…“ (Zitatende unbekannter Text von mir bislang noch unbekanntem Verfasser, gefunden auf Neobooks.de)

Der Text ist ein Ausriss, soweit so gut. …

  1. „… In mir stieg ein Freudenschwall hoch…“. Schwall, hoch aus dem Magen steigend; meine Assoziation ist die des Erbrechens.

  2. Es will mir nicht recht plausibel erscheinen, dass der Seemann (oder Hobbyseemann, egal), der mit der geilen Tante leider aufs Zimmer muss, weil kein anderes verfügbar, dann im Zimmer seinen Koffer einpackt … und sich dann auszieht. Kann möglicherweise durch den Ausriss sich als Logikfehler darstellen; aber dann hätte dieser Satz gestrichen werden müssen.

  3. penetranter Duft nach warmem Korn … Hat sich die arme Frau einen Alki geangelt oder sind Er oder Sie im Nebenberuf Bauer und Bäuerin. Im besten Fall unverständlich.

  4. Und nun kommen wir zu meinem persönlichen Favoriten: …die Haarkringel seines kindlichen Nackens… Wie alt ist der trinkende Seebär? Unterjugendlich? Bin verwirrt.

Abgesehen von meiner Verwirrung bin ich tatsächlich gespannt wie ein Flitzebogen: Wer schrieb diesen unterirdischen Text? Sollte das etwa Salz auf meiner Haut … nein, das kann nicht sein.  Noch interessanter: Wie geht der Text der Gewinnerteilnehmer nach dieser sehr eigenen Ausgangslage, in der lediglich als gesichert gelten kann, dass die Hauptfigur, die Ich-Erzählerin, schwer geil ist, weiter?

Fragen über Fragen, die Antworten werden wir auf Neobooks erleben.

Teilnahmebedingungen auf der Neobooks Seite. Erotik-Challenge

Einsendeschluss: 01.08.2014

Mitten ins Herz, von Talia Wayne

Elfmeter ins Herz von Talia Wayne
Seiten 136
ISBN-13 978-3-8476-7581-5
Veröffentlicht am: 18.02.2014
Aktualisiert am 14.05.2014

Knapp bevor es mich mitten ins Herz treffen konnte, erlöste mich das Ende der Leseprobe. Eine Ich-Erzählerin, offensichtlich ein liebes Mädchen und eine zuverlässige Chronistin, lässt sich in den ersten Kapiteln, die nach Minuten benannt sind, erst über ihre Zugfahrt, dann über Impressionen der Stadt Klagenfurt, aus. Ganz korrekt wird auch am Anfang der Auftrag, bzw. der Anlass des Schreibens vermittelt: Die Ich-Erzählerin hat einen aufregenden Job bekommen; sie ist freiwillige Helferin bei der Fußball-Europameisterschaft in Klagenfurt – und aufgeregt. Sie kommt also in Klagenfurt an, betrachtet ein Wandgemälde im Bahnhof, Achtung, hier findet ein (beabsichtigter?) Genrewechsel statt, es geht über in stadtarchitektonische Beschreibungen im Reiseführerstil, ein unmotiviertes Gespräch mit einer Passantin über das Wandgemälde schließt sich an. Vor dem Bahnhof entdeckt das junge Mädchen auf großer Fahrt noch einen Krebs, aber da sie uns Leser darüber aufklärt, dass sie Kunst weder mag noch versteht, steigen wir aufatmend mit dem Mädchen ins Taxi; worauf sie in ein Hotel fährt. Es handelt sich hier um den Erlebnisbericht oder um einen Roman über ein junges Mädchen -das vorgestellt oder tatsächlich Sex mit einem oder mehreren Fußballern hatte, dann empfehle ich, das Ganze zu kürzen. Alles was ich bisher las, könnte eigentlich gestrichen werden. Sollte es sich hier um die Rohfassung eines Romans handeln und liegt der Fokus meinetwegen auf junger Frau und Liebe zu Zeiten der WM, dann empfehle ich ebenfalls, stark zu kürzen. Kürzungsvorschläge. Wie oben. In den Tags las ich Frauenliteratur. Das ist es nicht ganz. Und das betrifft die mädchenhafte Sprache.Ansonsten könnte noch die Erzählperspektive überdacht werden; ein Ich-Erzähler ist schwer zu schreiben und kann für den Leser ganz einfach langweilig werden. Das Cover ist schon stimmig für das was erzählt wird, aber unter Umständen könnte auch ein interessanteres Motiv, dass mit Fußball und dem Job einer freiwilligen Helferin der Europameisterschaft zu tun hat, gefunden werden. Zu guter Letzt möchte ich mich noch über Pseudonyme verbreiten. Talia Wayne. Ein Name, der Assoziationen weckt, man beachte auch die Kategorie, Belletristik, Erotik. Und dann kommt jungmädchenhafte Prosa, das will nicht so recht passen. Vielleicht wäre ein Pseudonym wie zum Beispiel Frl.Schneider angebrachter.

Zusammenfassend: Nett, aber noch ein wenig unentschieden, was es einmal werden will. Erotik, Roman, Chick-Lit? Ich habe mich als Kategorie erstmal für Letzteres entschieden.